In Hamburgs Bezirk Altona läuten die Alarmglocken. Der Hamburger Senat hat die Mittel für die Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke (SIN) für 2026 um rund drei Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr gekürzt – und Altona ist einer der Bezirke, der das besonders deutlich zu spüren bekommt.
Was steckt hinter den SIN-Mitteln?
Um Kinder und Jugendliche in Geflüchtetenunterkünften zu betreuen, zu stärken und ihnen den Übergang in Schule und Kita zu erleichtern, fördert Hamburg entsprechende Projekte seit 2022 als Sozialräumliche Integrationsnetzwerke – 2026 mit etwa neun Millionen Euro stadtsweit. Doch der tatsächliche Bedarf der Träger liegt nach eigenen Angaben bei zwölf Millionen Euro. Drei Millionen Euro fehlen also – und die Lücke trifft die Einrichtungen vor Ort unmittelbar.
Altona: „Es steht nicht besonders gut”
Aus Altona hieß es schon Ende 2025 direkt: Es stehe für 2026 „nicht besonders gut”. Das ist Behördensprache für eine ernste Lage. Denn Altona ist kein Bezirk ohne soziale Herausforderungen – in Stadtteilen wie Osdorf, Lurup oder Bahrenfeld leben viele Familien mit Migrationshintergrund, darunter zahlreiche Geflüchtete. Einrichtungen wie Bauspielplätze, Kinder- und Jugendtreffs sowie soziale Beratungsangebote gehören hier zum Alltag vieler Kinder.
Der Jugendhilfeausschuss Altona weist seit längerem darauf hin, dass die Finanzierungslücke nicht durch eine Ausweitung der Angebote entsteht, sondern weil Tarif- und Kostensteigerungen nicht vollständig in den bereitgestellten Mitteln abgebildet werden. Jahrelang sei die Lücke nur durch Inanspruchnahme von Resten und Rückflüssen sowie durch Umsteuerung der Finanzierungen überhaupt schließbar gewesen.
Protest und politischer Widerstand
Der Jugendhilfeausschuss Altona hat gemeinsam mit den Ausschüssen in Mitte und Bergedorf eine Eilresolution verabschiedet, mit der vom Senat ein Nachtragshaushalt über insgesamt zehn Millionen Euro für die Offene Kinder- und Jugendarbeit gefordert wird – inklusive Rücknahme der SIN-Kürzung, Berücksichtigung der angemeldeten Bedarfe und Ausgleich der Tarifsteigerungen.
Rund 250 Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit in ganz Hamburg kämpfen um ihre Existenz. Vera Koritensky vom Verband für Kinder und Jugendarbeit sagt: „Das Geld reicht einfach nicht. Wir müssen sehen, ob wir Angebote einstellen oder tageweise schließen.” Auch Kooperationen mit Ganztagsschulen seien gefährdet – Kindertreffs und Bauspielplätze, die bisher nachmittags auch Schülerinnen und Schüler aufnehmen, müssten ihre Türen womöglich geschlossen halten.
Die Senatslinie – und ihre Grenzen
Der Senat verweist auf sinkende Belegungszahlen in Geflüchtetenunterkünften und vertritt die Auffassung, dass die Mittel damit trotz der Kürzungen ausreichen. Doch Fachleute widersprechen dieser Logik: Gerade das mehrjährige Aufwachsen von Kindern in Sammelunterkünften gilt als belastend – je länger Kinder in einer solchen Ausnahmesituation ohne Privatsphäre leben, desto höher ist eigentlich der Bedarf an Freizeitangeboten außerhalb dieser Unterkünfte.
Altona steht stellvertretend für das größere Bild: Eine Politik, die Sozialprojekte mit dem Argument sinkender Zahlen kürzt, verkennt, dass der Bedarf oft gerade dann steigt, wenn die Ressourcen knapp werden. Die Entscheidung, wo gespart wird, ist immer auch eine Entscheidung darüber, wessen Zukunft weniger zählt.
Quellen: taz.de (November 2025, Februar 2026), Hinz&Kunzt (Dezember 2025), Transparenzportal Hamburg / Bezirksversammlung Altona, hamburg.de