Der Stadtteilrat wechselt seine Finanzverwaltung in neue Hände – und ist dabei auf einen Partner gestoßen, der besser kaum passen könnte. Ab dem kommenden Jahr übernimmt die GWA St. Pauli e. V. die Trägerschaft für die Verwaltung unserer Finanzen. Bisher hatte das Haus 3 diese Aufgabe inne, das die Funktion noch bis Ende dieses Jahres ausfüllt. „Wir sind sehr glücklich, dass wir euch als neuen Träger gefunden haben”, brachte es Vorstandsmitglied Christine Mader auf den Punkt.

50 Jahre im Quartier – eine Organisation mit Geschichte

Martin Karolczak, seit 2018 Geschäftsführer der GWA St. Pauli e. V., stellte die Organisation bei der jüngsten Stadtteilratssitzung vor. Die GWA blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Vor genau 50 Jahren entstanden, wurzelt sie in der Arbeit mit wohnungslosen Familien, die nach dem Krieg in Nissenhütten der ehemaligen Viktoria-Kaserne lebten – ohne jede pädagogische Begleitung. Aus dieser Situation heraus entwickelte sich ein klarer Grundsatz, der bis heute gilt: hingehen, wo die Menschen sind. Nicht Probleme von außen diagnostizieren, sondern gemeinsam mit den Betroffenen verstehen, was wirklich gebraucht wird.

Dieser empowerment-orientierte Ansatz, geprägt durch Gründungsmitglieder wie Josef Bura, zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit der GWA. Als die Familien später an die Hafenkante in Altona-Altstadt Süd umzogen – „wirklich richtig Sankt Pauli”, wie Karolczak schmunzelnd anmerkte – wuchs die Organisation mit. Heute beschäftigt die GWA 39 Festangestellte und ist breit aufgestellt.

Vielfältige Angebote, kurze Wege

Das Spektrum reicht vom Stadtteil-Kulturzentrum Köhlibri als offener Raum für Initiativen über offene Kinder- und Jugendarbeit bis hin zum neu gebauten Bauspielplatz neben dem jüdischen Friedhof. Dazu kommen Angebote der Frühen Hilfen (u. a. Hebammenbegleitung durch „Adebar”), Beratung rund um den Schuleintritt sowie Unterstützung im Bereich Kleine Hilfen zur Erziehung. Finanziert wird die Arbeit überwiegend aus öffentlichen Mitteln; strukturell ist die GWA als geschäftsführender Träger im Sozialraumteam Altona verankert.

Was all das zusammenhält, ist das Prinzip der Nahraum-Orientierung: Die Mitarbeitenden brauchen laut Karolczak „nicht mal ein Fahrrad” – weil die Arbeit direkt im Quartier stattfindet.

Frech, politisch, ehrlich

Die GWA versteht sich nicht als stille Dienstleisterin. „Wir sind auch so ein bisschen frech”, sagte Karolczak offen. Die Organisation bezieht politisch Stellung, mischt sich in Planungs- und Abrissdebatten ein – auch wenn das nicht immer Applaus erntet. Als Zuwendungsempfänger zugleich kritisch aufzutreten, sei ein Balanceakt: „Wir versuchen uns da irgendwie treu zu bleiben.”

Nächster Schritt: Sitzung bei der GWA am Hein-Köllisch-Platz

Der Stadtteilrat wird die Zusammenarbeit am 4. Juni 2026 vertiefen – dann findet die nächste Sitzung direkt in den Räumen der GWA am Hein-Köllisch-Platz statt. Auf der Agenda steht unter anderem die etwas kuriose Frage der Bezirksgrenze zwischen Altona und Mitte, die genau durch das Arbeitsgebiet der GWA verläuft und zu manch absurden Zuständigkeitsfragen führt. Wir freuen uns auf den Austausch – und auf eine gute gemeinsame Zukunft.