Obdachlosigkeit im Stadtteil

Ich bin aufgerüttelt. Die Idee, auf einer öffentlichen Sitzung des Stadtteilrates Personen mit Fachkompetenz über Obdachlosigkeit im Stadtteil referieren zu lassen und dann erst recht die informativen und warmherzigen Berichte von Sabine Gerdes von Stay Alive und Christina Pillat-Prieß von Alimaus haben das bewirkt. (siehe Protokoll der öffentlichen Sitzung des Stadtteilrates vom 7.5. 2026)

Nicht wegsehen! So zog ich denn am 1.Mai mein Handy aus der Tasche und fotografierte , was ich an diesem einen Tag zwischen Fischmarkt und Walter-Möller-Park sah. Nun war mein Blick geschärft. Auf jedem Spaziergang im Quartier sehe ich jetzt Zeichen von Obdachlosigkeit. Himmelfahrt kam ich am Holstenbahnhof mit zwei Männern ins Gespräch, die dort in dem Durchgang vom Holstenplatz zur Stresemannstraße auch übernachten. Besonders der eine Mann sah sehr müde aus, viel ruhigen Schlaf bekommt man auf der Straße nicht. Ich fragte nach den Zelten, die ich manchmal im oder am Wohlers Park sehe, heute aber keines. Ja, da käme dann die Polizei, nachdem das jemand gemeldet hätte und dann müssten die Zeltbewohner packen. Für Mai war es sehr kühl, beide hatten die Kapuzen hochgezogen. Aus einer Tüte mit Gebäck, die sie vom Verkäufer im nahen Laden geschenkt bekommen hatten, boten sie mir freundlich etwas an. Für die neue Tagesstätte von Fördern&Wohnen in der Stresemannstraße Nr.138 gab es lobende Worte: „ Ja, das ist gut, da kann man duschen, Wäsche waschen und reden, “ täglich von 9:30 bis 16:30 Uhr könne man dort ein bisschen Kraft tanken, berichten die beiden Männer.

Ich gehe oft zur S-Bahn Holstenstraße, aber noch nie habe ich rundum so viele Menschen, Männer und weniger Frauen wahrgenommen, die, mit Rucksäcken oder Tüten bepackt, da stehen, hin und her gehen oder einfach nur Rolltreppe fahren.

Das Straßenmagazin Hinz & Kunzt vom Mai 2026 zitiert offizielle Angaben und spricht von „knapp 4000 Hamburger Obdachlosen“. Die würden fast zwei mal den großen Saal der Elphie füllen. Die Hamburger Sozialbehörde beruft sich auf eine Untersuchung von 2024 und nennt eine Zahl von 3800. Das ist nun zwei Jahre her, und obendrein ist die Dunkelziffer groß.

Im Hamburger Abendblatt vom 11.5.2026 erfährt man unter der Überschrift „Schnellere und bessere Hilfe für Hamburgs Obdachlose“ , dass Hamburg die Lage für Betroffene durch „neu aufgestellte Straßensozialarbeit“ verbessern will. Unter anderen das Bezirksamt Altona solle da tätig werden, denn außer in den Bezirken Mitte und Harburg hielten sich die meisten Obdachlosen in Altona auf.

Auf einer früheren öffentlichen Sitzung stellte eine Bewohnerin unseres Stadtteils beim Thema Obdachlosigkeit klar: „ Das sind doch unsere Nachbarn!“ Schön, dass dieser Appell zunehmend beherzigt wird.


Text und Fotos: Elisabeth Hartman

Text und Fotos: Elisabeth Hartmann